Bodos Seite zu Matriarchat und Lebensgemeinschaft

 

E-Mails an bodosander@aol.com sind willkommen.

 

Gruppenprozeß zur Erprobung einer

matriarchalen Lebensgemeinschaft aus

wahlverwandt-geschwisterlichen Matri-Clans

 

 

Ansprechpartner: Bodo Sander, geb. 1926,                     

Theologe, klinischer Seelsorger,

 

über 20 Jahre Praxis in humanistischer Psychologie

 

Anmeldung und Informationen: bodosander@aol.com

 

Am Meeser Berg 15

31073 Delligsen (OT Kaierde)

0 51 87/36 55

 

 


 

 

 

Unser Ziel ist es zu erproben, ob und wie die uralte matriarchale Form eines Zusammenlebens in geschwisterlichen Matriclans heute wieder belebt werden kann.

 

Die Clans damals bestanden aus drei Generationen mit etwa zehn Erwachsenen. Sie zeigten im Innern ein ungestörtes geschwisterliches Vertrauensverhältnis, so dass alles miteinander geteilt und besprochen wurde. Voraussetzung dafür war, dass es keine sexuellen Beziehungen innerhalb des Clans, wohl aber viel Zärtlichkeit, körperliche Nähe und emotionale Lebendigkeit gab.

 

Sexuelle Beziehung wurden nur zwischen den Clans gelebt, indem Frauen des einen Clans Männer eines anderen Clans für eine Nacht zu sich einluden.

 

Wir meinen, dass wir Menschen ein Urbedürfnis nach Geborgenheit, nach Bejahung und Angenommensein haben, das wir in einer immer mehr sich vereinzelnden Gesellschaft besonders in einer sexuellen Beziehung zu erfüllen hoffen.

 

Wir meinen, dass damit die Sexualität überfordert ist. Darum möchten wir anregen zu erproben, die Geborgenheit wieder in einer geschwisterlichen Vertrauensgruppe und letztlich in uns selbst zu finden und so die Sexualität zu entlasten.

 

Literatur: Heide Göttner-Abendroth, Matriarchat in Südchina

 

 

Das Konzept

 

GEMEINSCHAFT

zur

Förderung

von

Bindungs- und Gemeinschaftsfähigkeit

sowie zur

Entwicklung

eines

Bewusstseins von Allverbundenheit

 

- Allverbundenheit bedeutet für uns:

ein bewusstes Erleben von Verbundenheit mit

sich selbst, mit allen Lebewesen, mit dem gesamten Planeten, mit dem Kosmos und mit dem Wunder des Daseins schlechthin. -

 

In der Gemeinschaft wollen wir uns helfen, miteinander

Einfachheit,

Vertrauen, Offenheit, Wahrhaftigkeit und Zärtlichkeit ohne isolierte Paarbeziehung

zu leben.

Als Gegengewicht zu der immer mehr zu beobachtenden

Vereinzelung, Abgrenzung, Isolierung und Entfremdung auf allen Gebieten.

Die Keimzelle der Gemeinschaft bildet eine

 

wahlverwandtschaftliche Großfamilie,

 

um die sich weitere solcher Großfamilien bilden.

 

Jede Großfamilie nimmt bis zu drei alleinstehende Mütter, möglichst vor der Geburt ihres ersten Kindes auf, die sich mit schwierigen Problemen und belastenden Lebensumständen auseinander setzen müssen. Dazu kommen je zwei – ständig zur Familie gehörende – „Großmütter“ und ein „Großvater“, ggf. mit Kindern, sodass die Familie aus nicht mehr als zwölf Erwachsenen besteht.

- Die Zahl Zwölf sollte, um eine gute Kommunikation zu erreichen, nicht überschritten werden. -

 

Um eine verantwortliche Bindungsfähigkeit zu stärken, gibt es innerhalb der Familie keine Intimbeziehungen. Dadurch kann das geschwisterlich-familiäre Vertrauensverhältnis zu allen gewahrt bleiben und zum zentralen Geborgenheitsanker werden, zu einem sozial sicheren, liebevollen Feld.

 

Intimbeziehungen können zwischen den Großfamilien gelebt werden, jedoch auf die Weise, dass jeder Partner sich primär in seiner Familie geborgen und zuhause weiß. Dadurch kann die Gefahr, in eine Abhängigkeitsbeziehung zu geraten, minimiert werden.

 

Die Gemeinschaft hat feste Regeln und Strukturen:

 

Es gibt am Tag eine feste Meditationszeit,

eine feste Zeit für Körpererfahrung

und eine feste Zeit für eine Gesprächsrunde, in der alles gesagt und ausgedrückt werden kann, in der jeder sein Herz öffnen kann im Sich-Ausdrücken und im Zuhören. Jeder bleibt dabei bei sich und gibt keine Kommentare und guten Ratschläge.

- 1 -    

Es gibt gemeinsame Mahlzeiten mit ursprünglicher Nahrung, um die Ausrichtung auf eine bewusste Ernährung und Lebensführung zu fördern.

 

Darüberhinaus gibt es feste Arbeitszeiten im Biogarten und für weitere Selbstversorgungsaktivitäten.

 

Zur Förderung von Naturverbundenheit und Körperbewusstsein gibt es Angebote für Körperbewegung, Spiel, Tanz, Musik, Kreativitätsentfaltung, für ein Wecken von Achtsamkeint und den Sinn für Schönheit.

 

Zur Stärkung der frühkindlichen Bindungsentwicklung werden spezielle Verhaltensweisen eingeübt und gemeinsam unterstützt und wenn möglich, regelmäßig von einer Fachkraft durch Supervision begleitet.

 

Alle anderen inhaltlichen und organisatorischen Fragen und Vorschläge werden gemeinsam besprochen und einstimmig entschieden.

 

Die Initiatoren:

 

Ruth Soyka

Bodo Sander

Obstufenlehrerin für Sprachen und Sport

ev. Pfarrer i.R., Klinikseelsorger

Gewaltfreie Kommunikation

Gemeindeaufbau, Jugendarbeit

Tiefenökologie

Erwachsenenbildung

Gemeinschaftsbildung

Selbsterfahrung

rsoyka@web.de

sander.david@web.de

 

Drei Beobachtungen haben uns angestoßen, das hier beschriebene Konzept zu entwickeln:

 

Wir erleben überforderte, alleinerziehende Mütter im ersten Lebensjahr ihres Kindes, besonders, wenn sie nur von Hartz IV leben müssen.

Sie fühlen sich überfordert, die Signale ihres Kinders mit einer entspannten, aufmerksamen Haltung wahrzunehmen und darauf wohlwollend, verstehend zu reagieren. Das Kind erlebt diese Atmosphä-

re als Irritation, die Entwicklung, seiner Bindungsfähigkeit wird gestört.

 

Weiter beobachten wir, wie immer mehr Menschen auf der Suche sind, nach einem sinnerfüllten Leben.

 

Und letztlich nehmen wir wahr, dass es viele ältere, alleinstehende Menschen gibt, die sich gern in eine Gemeinschaft gegenseitiger Unterstützung einbringen möchten.

 

Das Projekt, das wir daraus entwickelt haben, hat das Ziel, zu einer optimalen Entwicklung von Kindern in den ersten Lebensjahren durch das Geborgenheitserlebnis in einer Gemeinschaft beizutragen, die Mütter damit zu entlasten und ihnen durch Unterstützung durch die Gemeinschaft zu einer Praxis zu verhelfen, mit der sie die Bindungsfähigkeit ihrer Kinder zu optimieren vermögen.

 

Unser Konzept beinhaltet also drei Aspekte:

  1. Ein generationsübergreifendes Wohngemeinschaftsprojekt.
  2. Ein Projekt, in dem eine sinnerfüllte Lebensaufgabe gefunden werden kann.
Ein Projekt um alleinerziehende Mütter in schwierigen Lebenslagen mit Kindern im ersten Lebensjahr eine Haltung zu vermitteln und deren Einübung zu ermöglichen, durch die sich die Bindungsfähigkeit ihrer Kinder möglichst ungestört entfalten kann.



Gedanken zur Gründung einer Gemeinschaft,

 

die sich an matriachalen

 

Lebenseinstellungen orientiert

 

 

                             - leicht korrigierte Überarbeitung vom 20.01.08 -

 

 

 

 

1 -

 

 

 

 

I n h a l t s ü b e r s i c h t

 

 

 

1.         Warum Orientierung am Matriarchat                                                        S. 2

 

2.         Definition von Matriarchat und Patriarchat                                              S. 4

 

3.         Die Entstehung des Matriarchats                                                             S. 5

                        Versuch einer Deutung

 

4.         Durch die matriarchale Regelung der Sexualität                                    S. 6

                        erhält die Sexualität eine neue Dimension

 

5.         Weitere Charakteristiken der matriarchalen Lebensform                     S. 7

 

6.         Gestaltungsimpulse für eine heutige Lebensgemeinschaft                   S. 10

                        aus matriarchaler Sicht

 

7.         Elemente zur Strukturierung eines Wahlverwandtschaftlichen              S. 15

                        Matri-Klans

 

8.         Die Entstehung des Patriarchats                                                              S. 16

                        Versuch einer Deutung

 

9.         Die Grundstruktur des Patriarchats                                                          S. 19

 

10.      Fazit                                                                                                             S. 19

 

 
 

Gedanken zur Gründung einer Gemeinschaft, die sich an matriachalen Lebenseinstellungen orientiert.

 

1.  Warum Orientierung am Matriarchat ?

 

Nach meinen Beobachtungen scheitern viele Gemeinschaften daran, dass versucht wird, in ihnen exklusive Zweierbeziehungen aufrecht zu erhalten oder nach Auflösung dieser mit anderen Partnern neue einzugehen.

 

Offenbar sucht der Mann in der Sexualität mit seiner Partnerin die einst erlebte unvollkommene Geborgenheit bei der Mutter in Vollkommenheit zu erfahren.

 

Und die Frau sucht in ihrer Sexualität mit ihrem Partner die ersehnte Geborgenheit beim Vater zu erleben.

 

Beides aber, so möchte ich  meinen, ist zum Scheitern verurteilt, weil kein Partner die Defizitstruktur des anderen je kennen, geschweige denn ausfüllen kann.

 

Trotzdem aber besteht die illusionäre Erwartung weiter.

 

Wir suchen also primär Geborgenheit bei einem andern Menschen, die wir in einer erfüllten Sexualität mit ihm zu finden hoffen.

 

Im Matriarchat dagegen ist Geborgenheit von vornherein bereits im Klan gegeben. Sie ist die tragende Atmosphäre des Klans, die ringsum ständig gegenwärtig ist. Es ist die im Klan fortwirkende, ursprüngliche, ungestörte Mutterliebe.

 

Damit ist die Sexualität von dem Bestreben, in ihr Geborgenheit zu finden, entlastet und von allen Erwartungen und Ansprüchen befreit und kann spielerisch in größter Innigkeit gelebt werden.

 

Frauen eines Klans laden Männer eines anderen Klans für die Nacht zu sich ein.

 

Biologische Väter kommen gar nicht als solche ins Bewusstsein.

Die Vaterrolle für das Kind übernimmt der Bruder der Mutter.

Die Kinder wachsen im Klan und nicht in einer sexuellen Zweierbeziehung auf.

 

Es besteht keine Fürsorgepflicht der Sexualpartner füreinander. Jeder ist in seinem Klan versorgt.

 

Bevor ich später im Einzelnen die matriarchale Lebensform näher beschreibe, möchte ich kurz eingehen auf die m.E. pathologische Struktur unserer heutigen patriarchalen Gesellschaft, mit ihrer Ehe- und Familienform.

 

Die Suche nach dem Glück einer vollständigen Geborgenheit, die wir in der frühen Kindheit durch unsere Mütter und Väter mehr oder weiniger unvollkommen erfüllt bekommen haben, tragen wir unser Leben lang mit uns.

 

Auch alle Abnabelungs- und Verselbständigungsprozesse lösen sie nicht auf.

Vor allem suchen wir dieses Glück der Geborgenheit bei einem anderen Partner und in der Sexualität mit ihm.

 

Das hat zur Folge, dass die Beziehung eine Form von Exklusivität annimmt mit einem gegenseitigen Besitzanspruch.

Jeder von beiden will etwas Optimales für sich.

 

Nun wird uns heute aber u.a. durch Erkenntnisse der Quantenphysik immer deutlicher, dass es dieses Ich, das etwas will, gar nicht gibt, das es eine Fiktion ist.

Wir haben unser Ich als ein Vorstellungsgeflecht konstruiert zu unserer vermeintlichen Sicherheit und unser Bewusstsein damit abgespalten von dem, was wirklich ist, der Wirklichkeit des reinen Seins.

 

Es gibt mich – mein Vorstellungsgeflecht von mir – also nur in der Vorstellung.

Diese Vorstellung, aus der ich mein Ich konstruiere, trennt mich von der Wahrnehmung meines eigentlichen Seins, von dem Erleben meiner Existenz als reines Sein.

 

Im Grunde bestehe ich nur aus dem reinen Sein, das sich ständig wohlwollend verströmt – wie wir es jeden Moment in unserem Körper und in dem großen Lebenskörper um uns, der uns ständig unser Leben schenkt wahrnehmen können

 

Weil wir das Bewusstsein dafür ausgeklammert haben, haben wir angefangen, uns immer weiter abgrenzend selbst zu konstruieren.

 

Diese unsere Selbstkonstruktion zu unserer vermeintlichen Sicherheit hat eine ungeheuere Wirkung.

Mit ihr haben wir ein System aufgebaut von:

Ausbeutung,

Besitzansprüchen,

Grenzen,

Absicherung durch Gesetze und Moral,

Kontrolle,

Unterdrückung,

Belohnung und Bestrafung,

Beurteilung nach Gut und Böse,

Freund und Feind.

Darüber haben wir eine unangreifbare transzendente Autorität eines göttlichen Willens gesetzt.

 

Das ist unsere heutige Gesellschaftsstruktur, in der die Zerstörung unserer zwischenmenschlichen Beziehungen und unserer Beziehungen zu der uns nährenden und erhaltenden Natur begründet liegt.

 

Unsere Liebe, gerade auch in der Partnerschaft, ist zu einer Liebe geworden, die

- begehrt, die haben will, die festhalten will,

- die Erwartungen hat,

- die auf Erwiderung aus ist,

- die wertet und bewertet.

 

Aber in Wirklichkeit ist da keiner, der zu begehren braucht.

 

Da ist nur das reine Sein unendlicher Liebe, unendlichen Wohlwollens, unendlicher Unterstützung, unendlicher Freude, Fülle, Vielfalt und Schönheit.

Das bin ich eigentlich wirklich;

das ist jeder eigentlich und wirklich.

 

Ich bin reines Sein – was sonst – alles andere ist Konstrukt, Schutzwall gegen das Leben; gebaut aus der Angst, sich zu verlieren, sich ganz hinzugeben an das Leben, dem Leben ganz zu vertrauen, den Tod als Leben zu sehen.

 

Wir sind in Wirklichkeit alle die strahlende, wohltuende Leuchtkraft des Seins.

Das ist der einzige Wert den es gibt.

Da ist kein Geld, kein Besitz als Identifikationswert.

Da ist keiner, für den Geld, Besitz eine Bedeutung hätte.

Da  ist nur das reine Sein unendlicher Liebe.

Da ist nur (m)ein Körper, der, wie alles, nur aus Liebe besteht und von dem ich am unmittelbarsten wahrnehmen kann, das Wunder, dass er atmet und Gewicht hat.

 

Das haben wir verdrängt, ausgeklammert.

 

Aber ES, dieses unser Sein, rührt sich in uns in unserer Sehnsucht nach dem Glück einer tiefen Geborgenheit.

Von diesem Bewusstsein, reines Sein unendlicher Liebe zu sein, war m.E. das Matriarchat noch erfüllt.

 

 

2.  Definition von Matriarchat und Patriarchat

 

Die Matriarchatsforschung belegt (u.a. die Untersuchungen von Heide Göttner-Abendroth), dass das Matriarchat im Gegensatz zum späteren Patriarchat eine herrschaftsfreie Gesellschaft war.

Der Mann wurde in keiner Weise benachteiligt oder gar unterdrückt.

Der Name kommt hier von „archä“ = Anfang, Ursprung; wogegen im Begriff Patriarchat die Bedeutung von „archein“ = herrschen im Vordergrund steht.

 

Das Patriarchat ist nach allgemeiner Definition eine von Herrschaft und Unterdrückung bestimmte hierarchische Gesellschaftsform zur Absicherung und Vermehrung von Privilegien.

 

Im eigentlichen Matriarchat gibt es keine Hierarchie, noch keine Göttinnenverehrung, keine Priesterinnenkaste. Es gibt keine Fremdautorität, keine Gesetze, keine Bestrafung, keinerlei Zwang und keine Privilegien. Alles wird egalitär, im Konsens geregelt.

 

 

3.  Die Entstehung des Matriarchats. Versuch einer Deutung

 

Die paläanthropologische Forschung zeigt uns, dass seit dem Entstehen der frühen Hominiden vor 4-5 Millionen Jahren sich immer mehr verschiedene Hominidenarten entwickelten, die zumeist gleichzeitig existierten. Erst vor etwas 25.000 Jahren hat sich unsere heutige Hominidenart allein durchgesetzt. Alle anderen Hominidenarten starben bis dahin aus, obwohl sie ein z.T. größeres Gehirnvolumen, ein voll ausgebildetes Sprachvermögen besaßen und sehr gut an die Umwelt angepasst waren. So die Paläanthropologen (siehe: „Spektrum der Wissenschaft, Dossier“ Nr. 2/2004).

 

Was mag der Grund für das Aussterben der anderen Hominidenarten gewesen sein?

Ich möchte hier eine gewagte These als Antwort geben:

Könnte es sein, dass die höhere Intelligenz und die ständige sexuelle Bereitschaft bei den späten Hominiden zur immer gewalttätigeren Rivalitätskämpfen um die Frau geführt haben ?

Waffen waren entwickelt und immer ausgeklügeltere Täuschungsstrategien konnten praktiziert werden.

Könnten diese Rivalitätskämpfe um die Frau der Grund für das Aussterben

der anderen Hominidenarten gewesen sein ?

 

Warum aber hat eine Hominidenart überlebt ?

Interessant ist, dass vermutet wird, dass in diesem Zeitraum von vor etwas 25000 Jahren sich auch Frühformen des Matriarchats entwickelten.

 

Vielleicht entstand das Matriarchat als Antwort auf die drohende Selbstvernichtung durch immer gewalttätigere Rivalitätskämpfe.

Ist doch das zentrale Anliegen des Matriarchats eine gewaltfreie, friedliche Regelung der Sexualität.

 

Offenbar haben hier Frauen eine Lebensform entwickelt und durchsetzen können, in der alles auf den Fortbestand der Gemeinschaft ausgerichtet war, durch das Schaffen optimaler Bedingungen für ein Aufwachsen der Kinder.

 

So entstanden Klans, mit nur leiblichen Nachkommen zumeist einer Urmutter. Dadurch wurde der mütterliche Geist in seiner Kontinuität nicht gestört.

Alles wurde an die Mütter zum Erhalt ihrer Kinder weitergegeben.

 

Zeugende Sexualität gab es nicht im Klan.

Der Erzeuger kam aus einem anderen Klan und war dort als Nachkomme der dortigen Urmutter integriert.

 

Es ist denkbar, dass durch diese neue matriarchale Lebensform das Überleben der Menschheit ermöglicht wurde.

 

 

4.         Durch die matriarchale Regelung der Sexualität erhält die Sexualität eine neue      Dimension

 

In dem Maße, wie die Frau nicht mehr Gegenstand des Rivalitätskampfes der Männer war, sondern selbst den „Liebhaber“ wählte und ihm im Klan nicht mehr ausgeliefert war, entstand offenbar auch eine neue Freiheit zur Entfaltung ursprünglicherer Dimensionen der Sexualität.

Der ganze Bereich einer träumerischen, spielerischen aus frühkindlichen Bedürfnissen gespeisten Sexualität darf sich nun im Schutz des matriarchalen Klans entfalten. Dementsprechend tritt die Fixierung auf eine zeugende, koitusbezogene Sexualität in den Hintergrund.

 

Bernd Bieder hat in seinem bemerkenswerten Buch „Ernährung, Psyche, Sexualität und Liebe“ auf ein interessantes Phänomen bei noch matriarchalen Naturvölkern hingewiesen: Wird in diesen Gesellschaften die frühkindliche Sexualität offen, lustvoll, spielerisch-träumerisch, allverbunden und unfixiert gelebt, so wird eine geschlechtsreife junge Frau solange nicht schwanger – obwohl sie mit Liebhabern sich vereint – bis der Klan beschließt, dass sie jetzt den für sie bestimmten Ahnen wieder in den Klan zur Welt bringen möge. Dann erst wird sie bewusst schwanger.

 

Offenbar wird im Matriarchat die Sexualität auf zwei grundverschiedenen Bewusstseinsebenen gelebt:

Einer spielerischen, allverbundenen, sich ausweitenden und einer sich konzentrierenden, auf Zeugung ausgerichteten.

 

Damit ist Geburtenregelung etwas Selbstverständliches.

Die frühkindliche, spielerisch-lustvolle Sexualität, die sich ungebrochen fortsetzen darf, verhindert offenbar jede Befruchtung, weil sie darauf überhaupt nicht ausgerichtet ist.

Erst eine von der Ahnenverehrung her geprägte, bewusste innere Ausrichtung auf Befruchtung führte auch zu dieser.

 

Interessant ist, dass, wenn Missionare oder Männer unserer Kultur ein Verhältnis mit einer jungen Frau eines solchen Stammes eingingen, es sogleich zu einer Schwangerschaft kam.

 

Offenbar genügt es, wenn ein Partner nicht mit der frühkindlichen, unfixierten Sexualität verbunden ist, dass die Verhütung dann ausbleibt.

 

In unserer Gesellschaft kennen wir eben nur noch die fixierte, auf den Koitus ausgerichtete Sexualität, die andere ist einem strengen Tabu zum Opfer gefallen.

 

In einem matriarchalen Klan kann aber körperliche Nähe, Zärtlichkeit, das ganze Spektrum kindlicher, spielerischer Sexualität gelebt werden.

Diese „Intimität“ ist dann aber eine offene. Sie weiß sich beschützt, behütet, geborgen. Alle im Klan sind Geschwister, Kinder der einen Urmutter.

Eine ausschließliche oder geheime Sexualität ist überhaupt nicht denkbar.

 

Zeugende Sexualität geschieht nur im Bewusstsein, einen Ahnen einzuladen, damit er im Klan wiedergeboren wird.

Der Zeugungspartner versteht sich als jemand, der dem Ahnen zur Wiedergeburt verhilft, nicht als jemand, der sich durch sein Kind fortpflanzen möchte.

 

Es geht um die Fortsetzung des Lebens, vom Mutterklan repräsentiert, nicht um die eigene Fortpflanzung.

 

Es gibt nicht die Vorstellung eines gemeinsamen Kindes und die damit verbundenen Abhängigkeiten.

 

Ein Besitzanspruch, wie er heute das Paarverhalten bestimmt und wie er es wohl auch zur Zeit des Rivalenkampfes vor dem Aufkommen des Matriarchats bestimmt hatte, ist durch die Geborgenheit, die der matriarchale Klan bietet, völlig überflüssig.

Der Klan schenkt einen Raum der Geborgenheit, in dem die allvorhandene Lebenslust achtsam, ungerichtet und offen gelebt werden kann.

 

Am Verlust der frühkindlichen Sexualität hat unsere heutige Gesellschaft schwer zu tragen. Darin liegen wohl mit die Ursachen all unserer heutigen Kriege gegen uns selbst, gegen einander und gegen die Natur.

 

5.   Weitere Charakteristika der matriarchalen Lebensform

 

Die materiarchale Lebensform ist gekennzeichnet durch folgende acht Merkmale, die ich hier verallgemeinert und idealtypisch darstelle:

 

5.1     

Die kleinste Einheit im Matriarchat ist der Klan

Die größte Einheit ist der Stamm.

Der Stamm besteht aus etwa 4 Dörfern.

Die Dörfer bestehen wiederum aus etwa 4 Klans.

Zu einem Klan gehören nur die Kinder, Enkel, Ur-Enkel zumeist einer Urmutter.

 

Er umfasst die vorhandenen Generationen mit insgesamt etwa 8-12 Erwachsenen und 2-4 Kindern.

 

Diese Größenordnungen werden möglichst eingehalten, um eine optimale Konsensfindung im Stamm zu gewährleisten und jeden Dirigismus zu verhindern.

 
Ein Klan von 3 Generationen würde sich etwa wie folgt zusammensetzen:

Urgroßmutter und/oder ihr Bruder als die Ältesten (ihnen und den Kindern gebührt die größte Würdigung).

Großmutter und ihr Bruder

4 Kinder der Großmutter = 2 Mütter und deren 2 Brüder (4)

4 Kinder der 2 Mütter = je 2 Mütter und deren 2 Brüder (4 Enkel)

4 Kinder der 2 Mütter mit je 2 Kindern = 4 Kinder. (4 Urenkel)

 

Es gibt keine autoritären, sondern nur einvernehmliche, egalitäre Regelungen:

Jeden Tag kommt der Klan zusammen, um alles miteinander zu besprechen.

 

Alle Einkünfte fließen zusammen und werden von der Klanmutter verwaltet.

Alle Ausgaben werden im Konsens beschlossen.

 

Zur Klanmutter kann jede Frau des Klans gewählt werden

und zum männlichen Klanvertreter jeder Mann.

Der männliche Klanvertreter vertritt den Klan nach außen.

 

Die Kriterien für die Wahl sind: Güte, Geduld, Einfühlungsvermögen, Kooperationsfähigkeit, Verständnis, Offenheit, Weitsicht.

- Es sind die gleichen Werte, nach denen eine Frau ihren Liebhaber auswählt,

  eben den Kommunikationsfähigsten und nicht wie vor dem Matriarchat und später

  im Patriarchat, den Durchsetzungsfähigsten.

 

Der Dorfrat besteht aus Deligierten der Klans, die sich immer erst nach oft wiederholten Rückkopplungen mit ihren Klans einigen.

Der Stammesrat besteht wieder auf je einem Klanvertreter und bedarf der ständigen Rückkopplung mit dem Klan.

 

 

5.2     

Die Aufgabe des Klans ist, den Kindern eine optimale Lebensbedingung

zu geben durch größtmögliches Vertrauen, größtmögliche Offenheit und

Geborgenheit.

 

Kinder werden meist zu zweit an der Brust lange gestillt von verschiedenen Müttern.

Alle im Klan sind Mütter und Väter für die Kinder.

 

Das größte Fest des Klans ist die Verheiratung der geschlechtsreifen Mädchen, nicht mit einem Mann, sondern mit dem Leben.

Sie sind von nun ab die, die das Leben weitertragen. Jetzt bekommen sie das schönste Zimmer des Klananwesens und den Schlüssel und können sich für die Nacht einen Liebhaber aus anderen Klans einladen.

 

Es werden normalerweise nur etwa 2 Kinder von einer Klanfrau geboren. Die Geburtenregelung geschieht durch Bewusstseinsausrichtung.

 

5.3.    

Die Klans sind meist sesshaft geworden und betreiben Selbstversorgung durch intensive Kleinfeldwirtschaft.

Der Klan lebt zusammen in einem Gehöft.

Alles Lebensnotwendige wird im Stamm selbst hergestellt und oder durch Tausch von außen erworben.

 

5.4.

Feste spielen im Stamm eine große Rolle. Sie dienen einmal dazu, sich kennen zu lernen und zum anderen, um Unterschiede zwischen den Klans auszugleichen.

Ist ein Klan wohlhabender geworden, so ist es sein Verlangen, das nächste Fest auszurichten und dabei alles zu verschenken, um dann die Freude zu erleben, beim nächsten Fest als ärmster Klan am meisten beschenkt zu werden und um die Unterstützung der anderen Klans zu erleben sowie die Geborgenheit darin zu erfahren.

 

5.5.

Es gibt keinen Eigenbesitz. Die Bewirtschaftungsfläche des Klans wird von allen anderen Klans respektiert.

Der größte Wert liegt darin, zu schenken und beschenkt zu werden.

Jede Art von Horten, über den lebensnotwendigen Wintervorrat hinaus, ist unbekannt.

 

5.6.

Es wird alles versucht, um kriegerische Auseinandersetzungen mit anderen Stämmen oder Volksgruppen zu vermeiden. Konflikte, die bei Begegnungen entstehen, werden versucht durch Austausch von Geschenken und durch gemeinsame Feste zu entspannen.

 

5.7.

Die Sexualität wird jeweils nur für eine Nacht auf Einladung der Frau zwischen den Klans gelebt.

Jeder der beiden Partner hat sein Zuhause, seine Geborgenheit, Wertschätzung, Unterstützung und seine Aufgaben in seinem Klan.

Sein sexuelles Erleben wird offen in seinem Klan besprochen.

Die Brüder der Mütter sind die männlichen Bezugspersonen der Kinder.

Spielerische, absichtslose, koitusfreie sexuelle Zärtlichkeiten sind im Klan selbstverständlich und allgegenwärtig.

 

5.8.

Es gibt im Grunde keine ausgesprochene Religion (wird eine Religion aufgezwungen, so bildet sie nur einen äußeren Rahmen).

Es gibt keine transzendente Autorität, keine Gottheit, keine Allmacht, keinen göttlichen Anspruch oder Willen.

 

Alle Dinge sind beseelt und heilig und werden verehrt in ihrer Vielfalt.

Das Wunder des Lebens ist unfassbar, ist Geschenk.

Dieses Wunder zu würdigen, ist das tiefste Bedürfnis.

 

Das Leben wird als Kreislauf gesehen, der Tod ist keine Unterbrechung des Lebens.

Darin wurzelt der Ahnenkult.

Die Ahnen werden verehrt, indem von ihren Eigenschaften, ihrem Verhalten, ihren Taten erzählt wird.

Aber das sind keine Heldentaten, sondern Begebenheiten in denen sich Güte, Verstehen, Kooperationsfähigkeit, Entgegenkommen und das Vermögen auszugleichen, gezeigt haben.

Die Ahnen wollen im Klan wiedergeboren werden, um in ihrem neuen Leben noch mehr Güte im Klan verwirklichen zu können.

So ist vorstellbar, dass der Sterbende von einer jungen Frau in ihrem Schoß gehalten wird, in dem festen Glauben, diesen Sterbenden einmal zu empfangen und wieder in den Klan hinein zu gebären.

Der/die ‚Sterbende kann sich ganz in den Schoss der Frau geben. Er/sie weiß sich sicher, von dieser Frau wiedergeboren und im Klan willkommen geheißen zu werden.

Diese Frau wird ihn/sie wieder in sich aufnehmen.

Die Frau sieht dann in dem Kind, das sie zur Welt bringt, den Ahnen mit seinem Wunsch, noch mehr Güte zu verwirklichen.

Diesen Wunsch wird die Mutter im Umgang mit dem Kind zu unterstützen bestrebt sein.

Die Schwangere kennt also bereits ihr Kind in allen Einzelheiten und in seiner Seele.

Darin liegt eine tiefe, heilende Kontinuität des Klans.

Der Klan beschließt in einem feierlichen Ritual, wenn der Zeitpunkt für die junge Klanfrau gekommen ist, den Ahnen/die Ahnin zu empfangen.

 

6.         Gestaltungsimpulse für eine heutige Lebensgemeinschaft aus matriarchaler Sicht

 

Das wichtigste scheint mir, dass uns hier gezeigt wird: es ist möglich, es ist keine Illusion, einen Lebensraum entstehen zu lassen, der eine Geborgenheit bedingungslosen Angenommenseins schenkt, in dem ein tiefes Vertrauen und eine absolute Offenheit wachsen kann.

Ein Vertrauensfeld ist möglich, in dem sich auch die Sexualität entspannen kann, sich von Fixierungen, Erwartungen, Überfrachtungen lösen kann.

Vertrauen und Geborgenheit brauchen nicht mehr gebunden zu werden an eine sexuelle Paarbeziehung.


In solch einem Vertrauensfeld weitet sich die Sexualität von alleine aus, hin zu einer spielerischen, kindlichen, voller Achtsamkeit und Zärtlichkeit.

Die verlorene, ungelebte frühkindliche Sexualität darf aus ihren verstümmelten Wurzeln neu austreiben.

 

Ein solches Vertrauensfeld aber braucht ein völlig neues Bewusstsein.

 

Wir haben uns heute ein Bewusstsein aufgebaut, das eine eigenständige, im Grund isolierte, individuelle Persönlichkeit zum Ziel hat.

Damit meinen wir, uns sicher in der Hand zu haben und möglichst alles um uns her und aus uns selbst, was uns bedrohlich werden könnte, beherrschen zu können.

 

Es ist eine tiefe Angst vor Hingabe, die uns prägt und die geradezu nach einem universellen Vertrauensraum schreit.

 

Halten wir an diesem unseren individuellen Persönlichkeitsideal fest, so muss uns alles, was hier über das matriarchale Vertrauensfeld gesagt wurde mit seiner unfixierten Sexualität, seinen egalitären Entscheidungsstrukturen usw. wie eine pubertäre Regressionsphantasie erscheinen. Ja, es muss uns anmuten, als würde hier einer Entpersönlichung das Wort geredet, als gälte es, wieder zurück zu gehen auf eine frühere Bewusstseinsstufe und unseren höchsten Wert und Halt, unsere Individualität aufzugeben.

 

Daraus auszusteigen, ist ungeheuer schwer und kann als ein totaler Kontrollverlust empfunden werden. Mich mit „Haut und Haaren“ zu öffnen und auszuliefern, lässt Panik aufkommen.

 

Aber, um aus unserer Isolierung heraus zu kommen, sehe ich keinen anderen Weg.

 

Was aber für einen Weg hieße es dann zu gehen ?

 

Ist ein kollektives Bewusstsein statt eines individuellen der Weg ?

Führt nicht auch ein kollektives Bewusstsein wieder zu Abgrenzungen ?

 

Wie kommen wir aus unseren Sicherungs- und Abgrenzungsbestrebungen heraus ? Das scheint mir die Kardinalfrage zu sein
  

Für mich heißt die Antwort: Ich verlasse die Ebene der Konditionierungen und Prägungen meiner Persönlichkeit, die Ebene, auf der ich mir meine Persönlichkeit aus lauter Vorstellungen konstruiert habe zu meiner vordergründigen Sicherheit.

Ich gehe zu einem Bewusstsein, das im Sein selbst gründet, in meiner Ursprünglichkeit einfach zu sein. – Darauf habe ich bereits hingewiesen -.

Ich gehe zu einem Bewusstsein, in dem ich mir meines Atems, meines Körpers mit seinem Gewicht, meiner Lebendigkeit, dem Lebenswunder meines Seins bewusst bin.

 

Das kann ich ständig üben. Ein Übungsweg, der dieses Bewusstsein zum Ziel hat, heißt BREEMA.

 

BREEMA ist ein uralter Weg zur Körpererfahrung aus Kurdistan, der über die USA nach Europa gekommen ist.

Es geht darum, mich und einen anderen körperlich, ursprünglich, ohne Bewertung, ohne Vorstellungen, ohne Absichten nur wahr zu nehmen, unmittelbar und damit das ungetrennte Sein selbst zu erfahren.

 

Darin wäre die Trennung und die Isolierung aufgehoben, die uns an der Selbsthingabe, an der Vertrauensöffnung hindert.

 

Es gibt also einen Weg der uns wieder hinführen kann, zu dem matriarchalen Vertrauensfeld letzter Geborgenheit.

 

Wenn wir diesen Weg gehen, geschieht Hingabe an das Leben selbst, treten wir aus aller Kontrolle aus.

 

Bernd Bieder (s.o.: „Ernährung, Psyche, Sexualität und Liebe“) bezieht sich auf Guy Claude Burger, der es für sehr schwierig hält, sich den frühkindlichen sexuellen Bedürfnissen wieder anzunähern.

Er hält die prägende Phase in unserer Entwicklung für eine freie Entfaltung  unserer frühkindlichen, staunenden, „naiven“ Sexualität, die sich in dieser Phase in allen Zellen ausbreitet und dort ein Gefühl von Urliebe und Urvertrauen verankert, für nicht oder nur unvollkommen wiederholbar und in unserer Gesellschaft annähernd für irreparabel zerstört.

 

Ich meine aber, dass der Weg eines Seinsbewusstsein, der uns die Hingabe an das Leben wieder eröffnet, uns auch die Wurzeln unserer frühkindlichen Sexualität wieder finden lässt.

 

Die absichtslose und urteilsfreie BREEMA-Haltung in der Berührung kommt meines Erachtens den frühkindlichen, sexuellen Wünschen nahe.

Beides ist auf eine ursprüngliche Seinserfahrung und nicht auf ein durch Reizverstärkung erweitertes Ego ausgerichtet.

 

Die bislang ausgeklammerten erogenen Zonen könnten in die BREEMA-Praxis mit einbezogen werden, um auch dort das absichtslose und urteilsfrei Berühren zu erfahren und so immer mehr einen Geschmack einer anderen freien, allverbundenen Sexualität entstehen zu lassen.

 

Auch durch meditative Visualisierung der eigenen kindlichen Zärtlichkeitswünsche zu Vater und Mutter ließe sich dieser ganze Bereich meines Erachtens wieder beleben, so dass sich in uns eine Öffnung bilden kann, um Schritte in diesen spielerisch-träumerischen, „naiven“ Bereich zu wagen.

 

Ich denke an die Sehnsucht, die Brüste der Mutter, ihren Schoß, liebevoll, ehrfürchtig berühren zu dürfen, den Energiefluss der dabei entsteht, spüren zu dürfen.

 

Ich denke an die Sehnsucht nach der Kraft des väterlichen, männlichen Gegenüber, seiner breiten Brust und seinen so demonstrativ nach außen gerichteten Lingam berühren zu dürfen, liebevoll, achtsam, zart, den Energiefluss spürend.

 

Indem wir es wagen, uns das untereinander zu erlauben, könnten unsere frühen Sehnsüchte zum Leben erwachen.

 

Wenn ein Klankind in der Badewanne mit den beiden „Klunkern im Säckchen“ des Klanvaters spielt und das Verwandlungswunder seines Lingams bestaunt, sollte das nicht für den ganzen Klan etwas völlig natürliches sein – „ohne jedes Extra“ wie es im BREEMA heißt - ?

 

Ich denke an eine Mutter, die das unfixierte sexuelle Energiefeld zwischen Tochter und Klanvater wohlwollend begleitet,

an einen Klanvater, der das ungerichtete sexuelle Energiefeld zwischen Sohn und Mutter wohlwollend begleitet und stärkt.

 

Ich denke an eine Partnerin, die den Zärtlichkeitsaustausch ihres Partners aus dem Nachbarklan mit einer „Schwester“ ihres Klans wohlwollend und stärkend begleitet, an einen Partner, der das Liebesabenteuer seiner Partnerin aus dem Nachbarklan mit einem „Bruder“ seines Klans behütet, nährt, stärkt, fördert.

 

Das wäre möglich, wenn die frühkindliche, träumerische ganzheitliche Sexualität in uns zum Leben gekommen ist.

 

Das würde bedeuten, dass im Klan wachsen könnte:

 

Freude an der Nacktheit – ohne Bewertung, ohne Absicht -,

Betrachten, Bestaunen eines anderen und des eigenen Körpers, seiner Schönheit

– ohne Bewertung, ohne Absicht -,

Zärtlich erkundendes Berühren, Zärtlichkeitsaustausch zu mehreren – ohne Bewertung, ohne Absicht –.

 

Das hieße weiter, das konditionierte und fixierte Verlangen nach Penetration und Empfangen bewusst wahrnehmen und es wieder verbinden mit der Quelle der frühkindlichen-träumerischen sexuellen Zärtlichkeit, die ohne Absicht und Bewertung ist, so dass ein breiteres Bewusstsein entsteht: im Fluss des Seins selbst zu sein, ohne einengende Fixierung. Eine koitusfreie Sexualität wird möglich.

 

Da haben dann Begehren und Verlangen keine Dominanz mehr.

In den Vordergrund tritt ein staunendes Verehren des großen Lebenswunders

das ich bin,

das der andere ist,

das ich wahrnehmen kann mit und durch den anderen.

 

Da ist dann nur ein Verbundensein in Liebe, ein Verbundensein im Sein selbst ohne jede Grenze ohne jedes Ziel.

 

Noch an einer anderen Stelle wird das so völlig neue Bewusstsein herausgefordert.

 

Da ein heutiger Klan sich nicht mehr aus Nachkommen der einen Klanmutter von alleine bilden kann, sich aber als ein solcher geschwisterlicher Klan verstehen möchte, müsste das Bewusstsein einer geschwisterlichen Wahlverwandtschaft die Blutsverwandtschaft ersetzen.

 

Das heißt, ein heutiger Klar müsste die ursprüngliche blutsverwandte Struktur von drei bis vier Generationen jetzt frei wählen.

Also etwa:

Urgroßmutter mit Bruder

2 Töchter und 2 Söhne der Urgroßmutter

Jede Tochter hat eine Tochter und einen Sohn

und jede Tochter hat wieder eine Tochter und einen Sohn.

 

Eine solche „Wahlbestimmung“ aber wirklich innerlich voll anzunehmen, zerrt wieder an unserem individuellen Selbstverständnis.

Aber es könnte ja spielerisch, fließend und allverbunden damit umgegangen werden.

Hier könnte das oft erwähnte BREEMA-Bewußtsein helfen, um uns als Kinder des großen Lebenswunders zu verstehen und von daher als Lebensgeschwister.

 

Eine Schwierigkeit sehe ich darin, dass Väter nicht mehr für ihre biologischen Kinder zuständig sein könnten, sondern nur für wahlverwandte.

Hier wäre vielleicht eine Modifizierung dahingehend möglich, dass ein alleinerziehender, biologischer Vater sich eine Klanschwester als Wahlmutter für sein Kind sucht.

Denn gerade für alleinerziehende Mütter und Väter könnte solch ein Klan ein Geborgenheit gebender Lebensraum werden.

 

Eine weitere Schwierigkeit dürfte darin bestehen, dass ein festes Paar sich auf zwei Klans aufteilen müsste, was aber für die Beziehung heilsam sein kann.

 

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Zusammenfassend möchte ich  noch einmal deutlich machen, dass zur Wiederbelegung eines matriarchalen Klans die Bereitschaft gehört, sich einem neuen Bewusstsein, einer neuen Gefühlseinstellung, einer gesamten neuen Lebensausrichtung zu öffnen.

 

Eine solche Gemeinschaft kann nicht eine Gemeinschaft von „Individualisten“ sein, die äußere Ziele verbindet, wie erfüllter Sex, gesunde Ernährung, ökonomische Vorteile und ökologische Ausrichtung.

 

In der matriarchalen Gemeinschaft geht es um den Kern unserer Persönlichkeit, um das Ankommen im Sein.

 

7.         Elemente zur Strukturierung eines wahlverwandtschaftlichen Matriklans

 

7.1

Bewusstseinsänderung

Bewusste Distanz zu meiner gesellschaftlich konditionierten Selbstdefinition.

Hinwendung zu einer Seins-Erfahrung.

 

7.2

Bewusster Einstieg in ein Geborgenheits- und Vertrauensfeld.

 

7.3

Bewusste Geschwisterlichkeit

 

7.4

Kleine überschaubare Klaneinheiten mit je mehreren Generationen

 

7.5

Egalitäre Entscheidungsstrukturen,

Tägliche Redestabrunde

 

7.6

Eine Sexualregelung, die von exklusiven Paarbeziehungen im Klan selbst und vom Einfluss des biologischen Vaters im Klan befreit und die es ermöglicht, die frühkindliche Sexualität wieder zu entdecken und wieder zu beleben, sodass eine offene, tief achtsame, zärtliche, allverbundene Sexualität sich entfalten kann.

 

7.7

Tägliche „Auszeiten“ für Meditation, Körperkontakt, BREEMA, spielerische, kreative Gestaltungsprozesse

 

7.8

Gemeinsames Wirtschaften, wobei Schenken und Loslassen im Vordergrund steht

 

7.9

Hinwendung zu einer einfachen Lebensführung und Ernährung, mit dem Ziel, von der konditionierten Lustfixierung zu einem unmittelbaren Wahrnehmen zu kommen, um immer sensibler, durchlässiger und wachsamer zu werden.

 

7.10

Auflösung hierarchischer weltanschaulich religiöser Überbauten.

Verehrung des großen Lebenswunders.

 

7.11

Ahnenverehrung in Form von Wahlahnen, wie etwa Jesus, Franziskus, Albert Schweitzer, Gandhi und andere, besonders Frauen, die sich für den Schutz des Lebens eingesetzt haben.

 

7.12

Möglichst viel Selbstversorgung und Ansiedelung in einer Region mit Subsistenzwirtschaft.

 

7.13

Größeres Gelände mit der Möglichkeit einer Bebauung für drei weitere Klans.

 

8.         Die Entstehung des Patriarchats, Versuch einer Deutung

 

Die matriarchale Lebensform wird sich – wie schon erwähnt – etwa vor 25000 Jahren zunächst bei nomadisierenden Sammler- und Jägergruppen herausgebildet haben.

Die Sammler- und Jägergruppen wurden mit der Zeit sesshaft – offenbar unter dem Einfluss der matriarchalen Lebensform -.

Es entstanden die in Stämmen und Dörfern zusammenlebenden Klans, die eine Kleinfeldwirtschaft betrieben.

 

Ein weiterer Entwicklungsschritt erfolgte dann etwa vor 15000 Jahren – wie die letzten Ausgrabungen in Anatolien belegen – hin zu einer differenzierten, arbeitsteiligen Stadtkultur.

 

Es entstanden immer komplexere Stadtgebilde mit Tempelanlagen und künstlerischen Darstellungen.

Das deutet darauf hin, dass grundlegende Prinzipien des Matriarchats verlassen wurden:

Die Verehrung aller Lebensformen als heilig, als Ausdruck des großen Lebenswunders, hatte offenbar ihre Unmittelbarkeit zu Gunsten mehr abstrakter Vorstellungen verloren. Das zeigt auch ein Vergleich der künstlerischen Darstellungen dieser Epoche mit den Höhlenmalereien früherer Zeit.

 

Gab es Tempel, so muss es auch eine göttliche Abstraktion die darin verehrt wurde, gegeben haben, also zumindest eine Göttin, eine Urmutter allen Lebens.

Dazu wird es dann eine Priesterinnenschaft um eine Hohepriesterin gegeben haben.

 

Es liegt nahe, dass es dann auch Frauen mit einem besonders herausgehobenen Status gegeben hat. Darauf deuten Gräber mit besonders kunstvollen Grabbeigaben hin.

 

Damit hat eine hierarchische Struktur Einzug gehalten.

 

Die kleinen Klangebilde, die mit ihrer egalitären Ausrichtung bis dahin die Basis für ein geregeltes Zusammenleben bildeten, werden in einer städtisch-hierarchischen Großstruktur ihre Bedeutung verloren haben. Vielleicht entstand schon eine arbeitsteilige Ständestruktur.

 

Die hierarchische Spitze, nicht  mehr die egalitäre Basis war nun das regelnde Element geworden.

 

Nicht mehr das unmittelbar Vorhandene, Berg, Quelle, Baum, Tier wurde verehrt, sondern die ‚Abstraktion davon, dargestellt in einem Symbol, einem Bauwerk, einem Ritus.

Hierbei war höchste künstlerische Gestaltung gefordert, um dem Göttlichen einen adäquaten Ausdruck zu verleihen.

Die hierarchische göttliche Spitze musste beeindrucken, denn sie war jetzt die alles regelnde Autorität.

Um diese Autorität zu stärken und zu sichern, um ihre Akzeptanz und die Unterwerfung unter sie immer tiefer sich internalisieren zu lassen, dafür dienten die beeindruckenden Prachtbauten von Tempelanlagen in denen die beiden Gefühle gepflegt wurden: sich groß, mächtig, mit der Gottheit verbunden

und klein, unterwürfig , demütig zu erleben.

 

Allerdings gab es für die Reglung des Zusammenlebens noch keinen äußeren Zwang durch bewaffnete Ordnungshüter – wie im nachfolgenden Patriarchat –

und es gab auch noch keine Verteidigungsanlagen nach außen. Darauf lassen die Ausgrabungsbefunde schließen.

 

Ebenso war die Verehrung der hierarchische Spitze noch ausgerichtet auf die Allurmutter, das große umfassende Weibliche, Gebärende, Nährende, Behütende, dem Lebensfluss von Geburt – Tod – Wiedergeburt Verbundene in Gestalt der weißen, roten und schwarzen Göttin.

 

Die hierarchische Spitze übte also noch in keiner Weise Privilegien sichernde Herrschaft aus, wie im späteren Patriarchat.

 

Ich beschreibe diese Stadtkultur des späten Matriarchats darum so ausführlich, um deutlich zu machen, dass offenbar diese, zwar noch matriarchale aber eben hierarchische Struktur es den männlichen Eroberern leicht gemacht hat, darauf ihre unterdrückende Herrschaft aufzubauen.

 

Die matriarchalen Stämme die ihre kleinen, egalitären Klan-Gruppen beibehalten hatten, konnten den Eroberern ausweichen, zum Teil mit ihnen kooperieren und von ihnen nur schwer unterdrückt werden. Sie haben ihre volle matriarchale Struktur z.T. bis heute erhalten können (s. die Mosuos in: Heide Götter-Abendroth: „Matriarchat in Südchina“).

 

Wie aber kam es zum Ansturm männlicher Eroberungshorden?

 

Von vor etwa 10000 Jahren hat sich eine Klimaveränderung bemerkbar gemacht, die die einst fruchtbaren Gebiete Nord-Afrikas und Zentralasiens langsam austrocknen ließ, wie uns die Sahara und die Wüste Gobi zeigen.

 

Diese Gebiete waren von matriarchalen garten- und ackerbaubetreibenden Stämmen besiedelt.

 

Die immer stärker werdende Austrocknung wird dazu geführt haben, dass immer mehr Land verlassen werden musste und der Schwerpunkt der Nahrungsbe-schaffung sich auf Nutzviehhaltung verschob. Diese aber war offenbar eine Domäne der Männer.

 

Um dem Druck der Klimaveränderung ausweichen zu können, werden besonders bewegliche und anspruchslose Tiere bevorzugt worden sein.

Pferde werden domestiziert. Mit ihnen war es möglich reitend größere Viehherden weithin zu bewegen und nach günstigeren Weideplätzen zu suchen.

 

Die Austrocknung muss dann bis etwa vor 6000 – 8000 Jahren so dramatisch zugenommen haben, dass sich Horden von Hirtenkriegern bildeten, die sich größtenteils aus ihrem matriarchalen Sippenverband lösten und „auf eigene Faust“ nach Südost - und Mitteleuropa auswanderten auf der Suche nach Weideland und Überlebensmöglichkeiten.

Sie trafen dann auf die matriarchalen Stadtkulturen und die matriarchalen Stammesverbände die sie unterwarfen und vertrieben. Waren die matriarchalen Stammesverbände noch ursprünglich egalitär, so konnte es zu einer Kooperation kommen.

 

Die männlichen Mitglieder der matriarchalen Einheiten wurden von den Eroberern zumeist getötet und/oder versklavt, die Frauen in Besitz genommen.

 

An der Spitze stand nun ein männlicher Herrscher, der zu seiner Legitimierung die Hohepriesterin und/oder die bisherige hohe Frau an seine Seite nahm. Neben die Göttin trat ein Gott, neben die Priesterinnen traten Priester.

 

Es entstand eine Drei-Klassen-Gesellschaft mit einer Oberschicht der Eroberer, einer Mittelschicht der Vermittler und einer Unterschicht der Besiegten als Sklaven.

 

Eigentum wurde eingeführt und mit Gesetzen abgesichert.

Dazu wurde die Schrift entwickelt.

Strafjustiz entstand und Kontrollinstanzen wurden gebildet.

Alles diente zur Absicherung der Herrschaft der Eroberer und zur Vermehrung ihres Reichtums.

 

 

9.         Die Grundstruktur des Patriarchats

 

Im Patriarchat ist der Mensch vereinzelt, weil er es nicht wagt, sich von einer Seinsverbundenheit tragen zu lassen.

Sein Streben wird bestimmt vom Erobern und Beherrschen.

Jeder ist jedem dabei im Grunde ein Rivale.

Es wird versucht, so weit wie möglich „nach oben“, an die Spitze zu kommen.

Die Vorstellung eines allmächtigen Gottes, die repräsentativen Prachtdemonstrationen wie die Pyramiden und andere Kunstwerke drücken diese Haltung aus und sollen sie festigen.

 

Diese Seinverlorenheit oder Ungeborgenheit ist die Ursache für den Individualismus und für das Bestreben sich zu definieren, sich in einem System abzusichern.

Das ist auch die Ursache der Mobilität, der Loslösung vom Ganzen. Es herrscht eine ständige Suche nach Neuem, nach immer mehr, nach neuen Reizen.

 

Als Partner begegnen sich Vereinzelte, die in ihrer Struktur unfähig sind, die Sehnsucht nach Geborgenheit zu erfüllen.

 

Statt Verbundenheit im Sein ist alles auf Abgrenzung vom Sein, auf Sicherung vor dem Sein ausgerichtet.

 

10.      Fazit

 

In wahlverwandtschaftlich organisierten matriarchalen Klangemeinschaften könnte ein tiefes, heilendes Urvertrauen erlebbar werden, das uns ermutigt, neue Wege eines friedlichen Zusammenwirkens mit allem zu suchen.

 

für weitere Informationen:

 

Bodo Sander

Am Meeser Berg Nr. 15

31073 Delligsen OT Kaierde

Tel. 05187 – 3655

 

Wer an einem Treffen interessiert ist, schicke eine E–Mail an bodosander@aol.com

 

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